Sechster Tag
Eucla nach Ceduna
Die Akkus sind fast voll geladen. Über 7 Kilowattstunden zeigt das Laptop an. Um 5:30 Uhr gehen wir auf die Strecke. Stefan fährt zunächst bis zur Grenze nach Südaustralien. Fruchtfliegenkontrolle. Wir werden durch gewunken. Der Wind ist wie erwartet schwach. Stefan fährt mit den Akkus und ca. 45 km/h in Richtung Osten. Noch ist auf der Strasse nicht viel los. Dann brist der Wind auf. Direkt aus Süd. Wir befinden uns in der Nähe von Yalata, dem Aboriginal Reserve. Dirk macht den Kite startklar. Jetzt oder nie: mit gleichmässigem Wind in zunächst 3 bis 4 Windstärken von der Seite geht es los. Schnell wird der Wind stärker. 4 bis 5 Beaufort, in Böen 6. Ab jetzt wird stundenlang gekitet. Bei Geschwindigkeiten zwischen 40 und bis zu 70 km/h frisst der Explorer Kilometer. Dann passiert es: Dirk und Stefan übersehen beide die Telegrafenleitung, die quer über die Strasse zu einer Farm gespannt ist. Bei Tempo 60 schneidet der Draht die Kiteleinen glatt durch. Dirk trennt sich mit der Notauslösevorrichtung vom Kite, Stefan bremst scharf. Nachdem der Kitte geborgen ist, wird ein neues Set Leinen befestigt. Weiter geht's.
10 Kilometer später wieder eine Leitung. Die beiden sehen die dünnen Drähte gegen den Himmel nicht. Dieses mal halten die Schnüre, weil Dirk schnell genug die Notauslösung betätigt. Der Kite hängt in der Telegrafenleitung, die Schnüre sind in einem Baum verwickelt. Nach 10 Minuten ist alles geborgen, und es geht weiter. Nach 100 Kilometern Kiten platzt der vordere rechte Reifen. Der ständige Seitendruch vom Kite hat die Lauffläche durchgerieben. Der Reifenwechsel dauert 5 Minuten. Weiter.
Eine Polizeistreife kommt den beiden auf der Gegenfahrbahn entgegen. Der Spleene Kite steht hoch am Himmel, die Polizisten winken freundlich aus dem Auto. Roadtrains, die riesigen LKW, hupen und winken. Daumen hoch. Der Kite löst zum Glück nur positive Reaktionen aus.
Nach fulminanten 130 Kilometern ist die rasende Kitefahrt zu Ende. Die Strasse knickt ab und der Wind weht von vorne. Dirk steigt aus und packt den Kite ein. Stefan heizt weiter.
Der Wind Explorer hat sich als Kite- Auto bewährt. Es kostet zwar alle 100 Kilometer einen Vorderreifen, aber funktioniert prächtig. Wenn Bäume zu nahe an der Strasse stehen, fliegt Dirk den Kite direkt über dem Wagen, und Stefan zieht den Kitte mit dem Elektronantrieb weiter. Auch kurze Windlöcher überbrücken wir so. Ideal die Kombination aus Elektro- und Drachenantrieb.
Um 21 Uhr kommen wir am Ende des Tages in Ceduna an. Der Tageskilometerzähler auf dem Navi zeigt sagenhafte 493,5 Kilometer an. Wir haben noch ca. 20 % Reststrom in den Akkus. In Ceduna stellen wir das Windrad am Pinky Point auf. Jetzt wird wieder aufgeladen, und am nächsten Morgen haben wir die verbrauchte Energie wieder aufgefüllt. Wir sind glücklich. Das Team feiert diese Leistung, die den Kameraleuten und dem Begleitteam alles abverlangt hat, mit einer spontanen kleinen Feier unter dem Windrad. Es ist einfach ein Wahnsinns-Gefühl, so weit gefahren zu sein und zu wissen und zu sehen, dass die Energie dafür einzig vom Wind geliefert wurde. Immer wieder schauen wir auf den drehenden Propeller. Der Wind ist so stark, dass das Windrad immer wieder in die Überlaststellung geht und sich leicht aus dem Wind dreht. Jetzt fließen mehr als 12 Ampere in die Akkus. Man kann es nicht sehen, man kann es nicht hören, aber wir fühlen den Strom, wie er fließt. Endlich hat der Wind Explorer seinem Namen alle Ehre gemacht und gezeigt, was in ihm steckt. Die Bedingungen waren nicht optimal. Der Wind hätte besser sein, zum Beispiel aus Südwest blasen können. Das Konzept Windauto in der Kombination von Windrad, Lithium-Ionen-Akkus, Kites und Leichtbau/Aerodynamik funktioniert…



























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