Raventhorpe vorbei an
Esperance und weiter nach Norseman.

Wir fahren um 8:30 Uhr
morgens los. Die Batterien sind über Nacht in der Waschküche voll geladen. gute
Acht Kilowattstunden stehen uns wieder zur Verfügung. Unserem Gastwirt Peter
hat das ca. 2 Dollar auf seiner Stromrechnung gekostet. Uns bringt diese Ladung
wieder 400 Kilometer weiter. Als Dirk losfahren will, betankt das Team noch die
Begleitfahrzeuge. Die Gelegenheit nutzt eine Familie aus Western Australia, den
Wind Explorer ausgiebig zu besichtigen. Drei Generationen stehen um das
Fahrzeug herum und fragen, was es ist und wie es funktioniert. Dirk erklärt die
Funktionsweise. Die Enkelkinder klettern auf den Beifahrersitz. Es ist immer
das Gleiche. Der Explorer zieht jede Menge Aufmerksamkeit auf sich, egal wo er
auftaucht. Mit seinem außergewöhnlichen Design, den abgespaceten Fahrradhelmen
und der weiss/purpurnen Lackierung sieht er aus wie von einem anderen Planeten.
Weiter durch den
unendlichen australischen Busch. Die Roadtrains, die uns überholen und
entgegenkommen, stellen keine Gefährdung dar. Die Temperaturen steigen. Wir
checken regelmässig die Temperatur der Akkus und des Nabenmotors. Aber die sind
cool. Scheint kein Problem zu werden. Die hinteren Akkus sind nach 199,3 Kilometern leer. Fahrerwechsel und Umschalten
auf die vorderen Akkus. Die hügelige Landschaft und der Seitenwind haben ihren
Tribut gefordert. Auf ebener Strecke und ohne Wind wären wir bestimmt 20
Kilometer weiter gekommen. Dirk findet es faszinierend, dass er langsam ein
Gefühl dafür bekommt, wie viel Strom der Motor zieht und wie weit man mit den
Akkus kommt. Eine Restladungsanzeige brauchen Stefan und Dirk eigentlich gar
nicht mehr. Sie können den Ladezustand der Batterien an der gefahrenen Strecke
ablesen. Wind, Steigungen und Film/Fotostops tragen zu einer kürzeren
Reichweite bei.

Um 14:55 Uhr sind wir
dann am Abzweig nach Norseman Richtung Norden. Wir klemmen uns Esperance. Da
sind vielleicht die schönsten Strände der Westküste, aber unsere Tour ist ja
kein Sightseeing. Wir wollen weiter Richtung Osten. Also erst einmal Richtung
Norden bis Norseman. Da kommt dann der Abzweig nach Südaustralien…. Theoretisch
könnten wir jetzt schon die ersten Strecken kiten. Der Wind kommt aus Osten und
der Kite würde nicht im Gegenverkehr stehen, da wir ja auf der linken
Strassenseite fahren. Aber wir kiten noch nicht. Wir wollen erst auf dem Eire
Highway unterwegs Richtung Nullarbor-Ebene sein. Wenn uns die Polizei jetzt
schon mit einem Kite am Auto stoppen würde….das wäre nicht gut. Der erste Regen
überrascht uns hier. Das Wetter ist sehr untypisch. Der Zyklon im Norden
wirbelt hier gerade alles kräftig durcheinander.
Nach weiteren 190,46 Kilometern kommen wir in Norseman an.
Reststrom in den Akkus für ungefähr weitere 20 Kilometer. Wir halten vor einem
Pub. Dietmar Spoden, unser Batterietechniker,
bringt sofort die Akkus rein, um sie an die Steckdose zu hängen. Ein Windrad könnte
man hier nicht gut aufstellen. Zu viele Büsche und kleine Bäume. Unser Windrad steht ja nur auf einem 6 Meter
hohen Mast. Ein doppelt so langer wäre viel besser. Aber man muss bedenken,
dass wir vielleicht die ersten Menschen auf dieser Welt sind, die mit einem
Windrad dieser Grösse (Rotordurchmesser 2,7 Meter) mobil unterwegs sind. Und wir es überall aufstellen, wo es
passt, Wir hoffen, dass wir das Feintuning des Kontrollers morgen in den Griff
bekommen. Die weiten, baumlosen Ebenen West- und Südaustraliens liegen ja noch
vor uns.

Erster kleiner
Topspeed-Rekord. Einen Hügel runter hatten wir den Explorer auf 70,5 km/h laut
Navi. Hierzu sei gesagt, dass der Explorer bergab losrast, als wenn man aufs
Gaspedal, ähh am Elektroregler-Griff dreht. Er beschleunigt allein mit der Hang-
Abtriebskraft so schnell, dass einem Angst und Bange wird. Das liegt an der
Aerodynamik und an den Leichtlaufreifen. 200 Kilo plus Fahrer ziehen halt ganz
gut…
Dirk fährt abends noch
mit dem Wind Explorer los in Richtung Balladonia. Er wird von einem Begleit-
Pkw gegen Roadtrains abgesichert. Vorn im Explorer verrichten die beiden LED- Scheinwerfer sehr gute Arbeit. Sie sind
im Moment noch an eine kleine Motorradbatterie angeschlossen, die auf dem Beifahrersitz
steht. Das soll sich auch noch ändern. Das Licht soll in Zukunft von den Hauptakkus
gespeist werden. Aber es ist ja auch ein Prototyp, und vieles ist noch im Fluss….Kängurus sind kein Problem für
uns. Die werden nachts zu Dutzenden von den Lkw überfahren, die hier mit Tempo
110 durch den Busch brettern. Aber wir fahren ca. 50 km/h, da ist das keine
Gefahr.
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